Bekenntnis

Worin unterscheiden wir Christen uns von Buddhisten, Hindus, Muslimen? Das Bekenntnis des Glaubens gibt darauf eine Antwort. Es fasst das Eigentliche des Christentums zusammen. Gerade für das Gespräch mit Angehörigen anderer Religionen ist es wichtig zu wissen, was wir selber glauben. Wir dürfen nicht vorschnell die Widersprüche zwischen den Weltreligionen einebnen. Zwar gibt es auch Verbindendes, aber Trennendes ist ebenso vorhanden.


Das Bekenntnis ist eine Kurzformel für das, was unserm Leben Fundament und Orientierung gibt. Indem wir uns auf dieses Fundament einlassen, finden wir das eigene Glaubensprofil und hoffentlich auch eine entsprechende Lebenspraxis. Das befähigt uns, Menschen mit einem andern Glaubensprofil zu respektieren und mit ihnen ins Gespräch zu treten. Recht verstandenes Bekennen fördert das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Glaubens- und Bekenntnisrichtungen


Das älteste Bekenntnis besteht aus zwei Worten: Jesus Christus oder Kyrios Jesus. Das heisst: Jesus von Nazareth ist der Christus, also der Gesalbte Gottes, der König, der Herr. Für uns mag das harmlos klingen. Aber in der Zeit der frühen Christenverfolgungen hatte dieses Bekenntnis grosses Gewicht. Wer Jesus als Herrn bekannte, lehnte es ab, den römischen Kaiser als Herrn und Gott zu verehren. So trug der Glaube auch politisch eine befreiende Kraft in sich. Und bis in unsere Gegenwart hinein ist diese Kraft der Befreiung, der Ruf in die Freiheit das Entscheidende am Bekenntnis.  


Die Kirche des Altertums hat ihren Glauben im Apostolischen Glaubensbekenntnis zusammengefasst. In der Reformationszeit hat man an den altkirchlichen Bekenntnissen festgehalten. Man wollte keine neue Kirche gründen, sondern zurück zu den Wurzeln der Alten Kirche gehen. Als dann doch die evangelischen Kirchen entstanden, wollten die Bekenntnisschriften das besondere Profil der neuen Glaubensrichtungen (Konfessionen) hervorheben. Darin steht nicht nur, was man glaubt. Man drückt auch klar aus, was man nicht glaubt, worin man sich also vom alten Glauben abgrenzt. Wichtige Bekenntnisschriften sind das Zweite Helvetische Bekenntnis und der Heidelberger Katechismus.


Bis ins 19. Jahrhundert hinein war es üblich, in den Gottesdiensten gemeinsam das Apostolische Glaubensbekenntnis zu sprechen. Liberale Kräfte haben dann nach zähen Auseinandersetzungen erreicht, dass der Bekenntniszwang aufgehoben wurde. Die Bekenntnisfreiheit in den reformierten Kirchen der Schweiz ist ein Sonderfall. Die einen sehen das positiv: die Kirchen sind offen für unterschiedliche Glaubensinhalte und auch für die Glaubens- und Gewissensfreiheit. Andere haben Bedenken: eine Kirche ohne Bekenntnis hat kein erkennbares Profil. Man kann sie nicht behaften in ihren Aussagen.


Bekenntnisse sind auch wichtig als öffentliche Kundgabe des kirchlichen Standpunktes, wenn politische Umstände die Substanz des Glaubens gefährden. So wurde im Barmer Bekenntnis von 1934 der umfassende Machtanspruch der Nazis abgewiesen. Da steht z. B. in der zweiten These: „Wir verwerfen die falsche Lehre, als gebe es Bereiche unseres Lebens, in denen wir nicht Jesus Christus, sondern anderen Herren zu eigen wären.“


Gerade wenn die Herrschaften und Mächte der Welt ihre universalen Ansprüche anmelden, wird klar, dass es beim Bekennen wesentlich um Jesus Christus geht. In ihm begegnet uns die Kraft der Freiheit, Güte, Barmherzigkeit, Gnade, also all dem, was dem Leben dient. Deshalb ist ein Glaubensbekenntnis immer auch ein Lebensbekenntnis.

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