Blick öffnen für die Wunder von Gott

Am Sonntag, 21. September 2025, wurden Helen Vonderwahl und Timo Keller durch Kirchenrat Pfarrer Paul Wellauer in der paritätischen Kirche in Uesslingen zur Pfarrerin, respektive zum Pfarrer ordiniert.

Ordination von Kirchenrat Pfarrer Paul Wellauer von Pfarrerin Helen Vonderwahl und Pfarrer Timo Keller in der paritätischen Kirche in Uesslingen. Bild: Claudia Koch

«Mach dich auf, werde licht». Dieser Bibelvers aus Jesaja 60,1 zog sich auf verschiedenste Weise durch den gesamten Ordinationsgottesdienst. Doch welche Bedeutung hat für die Ordinandin und den Ordinanden licht werden? Diese Frage hat sich Timo Keller bereits als Kind gestellt, wie er in seiner Kurzpredigt ausführte. «Licht werden heisst spärlich und durchscheinend werden», sagte Keller. Ein lichter Wald scheint bei Tage hell, kann im Dunkeln aber auch bedrohlich wirken. Manchmal macht sich wegen all dem trüben Weltgeschehen in einem die Dunkelheit breit. Trotzdem gelte es, weiter zu funktionieren, sich nicht beirren zu lassen. Denn aus dem Dunkel heraus kann es auch licht werden. Wie in der Lesung mit der Erscheinung Jesu auf dem Weg nach Emmaus, die René Oberhänsli, Präsident der Kirchenvorsteherschaft von Uesslingen vortrug. Darin geht es um zwei Jünger, die Jesus zuerst nicht erkannten. Erst als Jesus mit ihnen das Brot brach, wurden ihre Augen aufgetan und die Dunkelheit verschwand. Dieses Licht in der Dunkelheit möchte Keller seiner Gemeinde in Kradolf weitergeben.

Türe zum Lichterlebnis öffnen
Helen Vonderwahl ist gerne unterwegs und besichtigt zusammen mit ihrem Mann sakrale Gebäude. Sie berichtete von einer Reise ins Burgund und dem Besuch der Basilika in Vézelay. Ihr Mann bemerkte die offene Türe und sie standen ganz allein im Abendlicht. Tief unten in der dunklen Krypta hatte sie einen lichten Moment. «Mach dich auf zu Gott» lautete die Botschaft, die sie von dieser Reise mitnahm. Ihr Mann habe ihr die Türe zu diesem Lichterlebnis geöffnet. Als Pfarrerin in Sirnach wolle sie die Türe zum Licht für andere Menschen öffnen, so Vonderwahl.

Heilige Momente schaffen
Kirchenrat Pfarrer Paul Wellauer beschäftigte sich ebenfalls mit der Lesung und der Frage, warum die Jünger Jesus nicht erkannten. Ihre Augen seien gehalten gewesen. Er interpretiert dies als gefangen oder getrübt. «Wovon sind unsere Augen gehalten oder gefangen?», fragte er. Doch ausgerechnet beim wortlosen Abendmahl gehen den beiden Jüngern die Augen auf und sie erkennen Jesus. Es gibt viel Geheimnisvolles, bei dem einen heilige, wortlose Handlung guttut. Er hoffe, so Wellauer, dass Timo Keller und Helen Vonderwahl viele Emmaus-Momente erleben und heilige Momente schaffen können, bei denen die Augen aufgehen. Nach der offiziellen Ermächtigung und dem Segen sowie den Fürbitten der Vertrauenspersonen wünschte er den frisch Ordinierten, dass sie den Blick öffnen für die Wunder von Gott. Musikalisch wurde der Gottesdienst von Jessica Bosshard an der Orgel und Cécile Vonderwahl an der Violine umrahmt.