Pfarrer Uwe Habenicht (links im Bild) und ein Team von «SharingCommunity»-Absolventinnen freuen sich an der Preisverleihung in Zürich über den Zwinglipreis 2025. Bild: Ernst Ritzi
Pfarrer Uwe Habenicht (links im Bild) und ein Team von «SharingCommunity»-Absolventinnen freuen sich an der Preisverleihung in Zürich über den Zwinglipreis 2025. Bild: Ernst Ritzi
Mit dem Zwinglipreis zeichnet der Schweizerische Protestantische Verein SPV – vormals Volksbund – innovative Ideen und Angebote im kirchlichen Leben aus, die zur Erneuerung des christlichen Glaubens beitragen.
Den Pfarrpersonenmangel kreativ begegnen
Der mit 2025 Franken dotierte Hauptpreis des Zwinglipreises 2025 geht an das St. Galler Projekt «SharingCommunity». Es steht unter der Leitung von Pfarrer Uwe Habenicht, der als Beauftragter der Evangelisch-reformierten Kantonalkirche St. Gallen die Arbeitsstelle für Gottesdienst und Liturgie leitet. Ziel der prämierten Initiative ist es, dem zunehmenden Mangel an ordinierten Pfarrpersonen konstruktiv und kreativ zu begegnen. «SharingCommunity»-Gottesdienste werden von Teams à drei Personen gestaltet, die jeweils unterschiedliche Rollen übernehmen: Sie wirken als Liturg/in, als Gastgeber/in und als Wegbegleiter/in. In entsprechenden Ausbildungsmodulen können Laiinnen und Laien diese Aufgaben erlernen und erproben.
Gottesdienst wird interaktives Geschehen
Die Jury begründet ihre Wahl damit, dass «SharingCommunity» Laien und Laiinnen dazu befähige, in Teams à drei Personen Gottesdienste zu gestalten. «SharingCommunity» begegne dem absehbaren Mangel an Pfarrpersonen in den Evangelisch-reformierten Landeskirchen «auf spielerische, entspannte und zugleich innovative Weise». Theologisch mache «SharingCommunity» Ernst mit dem reformatorischen Anliegen des Priestertums aller Gläubigen, die in ihrer «Mündigkeit wertgeschätzt und ermächtigt – und mittels massgeschneiderten Ausbildungseinheiten in ihrer Handlungs- und Sprachfähigkeit» gefördert würden. Weiter könne der teamorientierte und partizipative Grundcharakter von «SharingCommunity» dazu beitragen, den zuweilen als «One-Man-Show» und «Einbahnkommunikation» kritisierten evangelisch-reformierten Gottesdienst in ein interaktives und dialogisches Geschehen zu verändern.
Anerkennungspreise für drei weitere Projekte
Neben dem Hauptpreis vergab der SPV drei mit je 1000 Franken dotierte Anerkennungspreise.
«Jonas Treff» der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Rapperswil-Jona: Unterstützt durch Fachkräfte aus der Psychiatrie St. Gallen schafft die Kirchgemeinde jede Woche an zwei Nachmittagen einen Raum für Begegnungen mit und zwischen Menschen mit seelischen Belastungen.
«Netzkloster»: Das 2020 von der Evangelisch-methodistischen Kirche Schweiz EMK gegründete und seit 2025 von der Evangelisch-reformierten Kantonalkirche Zürich mitgetragene ökumenische Netzwerk übersetzt alte klösterliche Traditionen in das urbane und digitale gesellschaftliche Umfeld.
www.wort-hand.com: Im Mittelpunkt der Initiative, die der Neuenburger Kommunität Don Camillo in Montmirail entstammt, stehen dreiminütige Kurzfilme, in denen biblische Geschichten im Livezeichnungsstil visualisiert und nacherzählt werden.
EKS-Präsidentin Rita Famos als Gastrednerin
An die feierliche Preisverleihung hatte der SPV am vergangenen Sonntag in Zürich Pfarrerin Rita Famos, Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz EKS, eingeladen. Sie äusserte sich zum Stellenwert der Innovation in der reformierten Schweizer Kirchenlandschaft im Spannungsfeld von Tradition und Erneuerung.
Fachjury sieht «vielversprechende Aufbrüche»
Nach 2015, 2017 und 2019 wurde der Zwinglipreis vom SPV zum vierten Mal zur Bewerbung ausgeschrieben. Das Echo war noch nie so gross. Es gingen 43 Bewerbungen ein. Sie wurden von einer Fachjury unter der Leitung von Dr. Silvio Liesch, Theologischer Geschäftsführer des Zentrums für Kirchenentwicklung ZKE der Universität Zürich, beurteilt. Im Jurybericht wird die Arbeit so beschrieben: «Vielversprechende und mutige Aufbrüche wurden kritisch-wohlwollend betrachtet, offen diskutiert und miteinander verglichen. Die Vielfalt der Projekte zeigt, dass sich zahlreiche Menschen Gedanken zur Zukunft von Kirche machen. An unterschiedlichen Orten entstehen spannende Projekte. Und es fällt dabei auf, wie liebevoll Kirchgemeinden darüber nachdenken, was die Leute im Ort brauchen.»
Bewerbungen aus elf Kantonen
Zu den Bewertungskriterien gehörten Innovation und Originalität, Beteiligung und Partizipation und Nachhaltigkeit und Relevanz. Bewerbungen gingen aus elf Kantonen – vorwiegend aus der Deutschschweiz – ein. Die Kantone Bern, Thurgau und Zürich waren am prominentesten vertreten. Eine Bewerbung ging sogar aus Deutschland ein.
«Es wird fröhlich erprobt, riskiert und gerungen»
An der Preisverleihung in Zürich, die von 70 Repräsentantinnen und Repräsentanten der 43 eingereichten Projekte und der Landeskirchen besucht war, herrschte eine frohe Stimmung. Die Gäste der Feier in der Helferei des Zürcher Grossmünsters waren sich mit der Fachjury einig, die in ihrem Bericht feststellte: «Die Bewerbungen stimmen hoffnungsvoll, weil sie alle auf ihre je eigene Weise zeigen: In den Kirchen hierzulande wird fröhlich erprobt, riskiert und gerungen, um etwas Tapferes zu tun – um Gottes willen!»