Rund 40 engagierte Fachpersonen aus der gesamten deutschsprachigen Schweiz – von Bern über Zürich bis in die Innerschweiz und die Ostschweiz – folgten der Einladung, um sich unter dem Leitwort «Du bist ein Segen» fachlich wie spirituell zu stärken. Den thematischen Auftakt gestaltete Prof. Dr. Ralph Kunz, Theologieprofessor an der Universität Zürich. Als selbst von einer Hörbehinderung Betroffener sprach er mit bemerkenswerter Offenheit über das biblische Wesen des Segens. Segen bedeute keineswegs einen makellosen Idealzustand, sondern Gottes lebensschaffende Zuwendung mitten in der menschlichen Verletzlichkeit. Am biblischen Bild des nach dem Gotteskampf hinkenden Jakobs entlarvte Kunz übernommene Vorstellungen von Perfektion. Er warnte vor Ableismus, die Diskriminierung Benachteiligter, sowie wohlmeinendem Paternalismus, der Bevormundung von Benachteiligter. Inklusion dürfe nicht als «Reparatur defekter Menschen» missverstanden werden, sondern als gleichberechtigte Gemeinschaft, die aufeinander zugeht und sich annimmt. Diesen Impuls nahm das anschliessende World Café auf. An mehreren Tischen diskutierten die Teilnehmenden intensiv darüber, wie biblische Geschichten ohne Bevormundung erzählt werden können, wo unvollkommener Segen im Alltag spürbar wird und wie ein echtes Miteinander auf Augenhöhe gelingt.
Gelebte Teilhabe und praktische Vertiefung
Dass Inklusion ganzheitlich gelebt wurde, spiegelte auch die Verpflegung wider: Sowohl das stärkende Mittagessen als auch die Präsente stammten aus den geschützten Werkstätten und sozialen Institutionen «dreischiibe» und «Stift Höfli».
Am Nachmittag boten vier Workshops praxisnahes Rüstzeug für den heilpädagogischen Alltag:
Kreative Spuren zum Segen mit Franziska Stüdli zum Thema «Bildnerisches Gestalten als wertungsfreier Erfahrungsraum für das Thema».
Segen als Ritual mit Cathrin Legler zum Thema «Rituale als stärkende, verlässliche Haltepunkte im schulischen Alltag».
Segen im basalen Unterricht mit Rita Hitz zum Thema «Sinnesnahe Methoden, um Segen auch für Kinder mit schweren Beeinträchtigungen erfahrbar zu machen».
Lektionsreihe «Segen» mit Mariana Wyss Fent zum Thema «Eine praxiserprobte Unterrichtsreihe speziell für den HRU».
Ein Segen zum Mitnehmen
Den feierlichen Schlusspunkt setzte das Zusammensein in der Kirche. In Form einer grossen «Abschiedsschnecke» begegneten sich alle Anwesenden noch einmal persönlich von Angesicht zu Angesicht, sodass jede und jeder den anderen einen ganz individuellen Wunsch oder Segen mit auf den Heimweg geben konnte. Ein Tag voller Ermutigung, Vernetzung und neuer Impulse, der verdeutlichte, wie bereichernd diese Weiterbildung für die kirchliche Bildungslandschaft ist.