Ordination Christina Schefer und Florian Aeberhardt: Offene Ohren für Gottes Ruf

Am Sonntag, 27. September 2026, versammelte sich die Gemeinde in der Evangelischen Stadtkirche Frauenfeld zu einem festlichen Ordinationsgottesdienst. Im Mittelpunkt standen Florian Aeberhardt und Christina Schefer, die durch Kirchenrat Pfarrer Paul Wellauer für ihren kirchlichen Dienst zum Pfarrer respektive zur Pfarrerin ordiniert wurden. Persönliche Worte, Musik und die Verbundenheit der Gemeinde prägten die Feier.

Hören lernen: Verschiedene Wege - ein Ruf. So lautete das Motto an der Ordination von Florian Aeberhardt (2.v.r.) und Christina Schefer. Begleitet von Pfarrer Emanuel Memminger (l.), Kirchenrat Pfarrer Paul Wellauer (Mitte) und Pfarrer Samuel Kienast. Bild: Manuela Olgiati

Bereits die musikalische Gestaltung durch Kirchenmusiker Christoph Lowis und der Gesang von Salome Nägeli verliehen dem Gottesdienst einen besonderen Rahmen. Unter dem Leitgedanken «Hören lernen: Verschiedene Wege – ein Ruf» setzten sich die beiden Ordinanden in ihrer persönlichen Predigt mit der Frage auseinander, was es bedeutet, Gottes Wort wirklich zu hören.
Die 57-jährige Christina Schefer tat dies im Dialog mit ihrer Tochter Ria Perger. Hören, so wurde deutlich, bedeutet mehr als das Aufnehmen von Worten. Es heisst, aufmerksam zu werden, innezuhalten und sich von Gottes Wort ansprechen zu lassen. Dieses kann manchmal leise und unscheinbar sein, manchmal überraschend und herausfordernd.
Dass die Wege zu einer Berufung unterschiedlich sein können, zeigte Florian Aeberhardt. Die Geschichte von Samuel und Eli wurde dabei zum eindrücklichen Bild: Der junge Samuel hört Gottes Ruf, kann ihn zunächst aber nicht einordnen. Der erfahrene Eli hilft ihm, das Gehörte zu verstehen. «Sprich, dein Diener hört» steht damit auch für das gegenseitige Lernen von Jung und Alt und dafür, gemeinsam Gottes Stimme wahrzunehmen.

Hören ist lernbar
Kirchenrat Pfarrer Paul Wellauer erzählte von eigenen Erfahrungen, bei denen sich ein Ruf auf unerwartete Weise bemerkbar machte, etwa durch eine Begegnung im Alltag. Berufung geschehe nicht immer spektakulär, sagte er. Manchmal begegne sie mitten im täglichen Leben. Entscheidend sei, aufmerksam zu sein und hören zu lernen. Für den kirchlichen Dienst komme diesem Hören besondere Bedeutung zu. Wer Menschen begleite, ihnen zuhöre und sie in unterschiedlichen Lebenssituationen unterstütze, brauche selbst ein offenes Ohr. Kirchlicher Dienst beginne deshalb nicht allein mit Reden, Predigen oder Handeln, sondern mit dem Hören auf Gottes Wort und auf die Menschen.
Im Anschluss an die Predigt nahm Paul Wellauer die Ordination von Florian Aeberhardt und Christina Schefer im Beisein der Vikariatsleitungspersonen, Pfarrer Samuel Kienast und Pfarrer Emanuel Memminger vor. Mit Gebet und Segen wurden sie für ihren Dienst beauftragt und in ihren neuen Abschnitt gesendet. Angehörige, Freunde, Weggefährtinnen und Weggefährten sowie Mitglieder der Kirchgemeinde begleiteten diesen besonderen Moment. Die Ordination wurde so zu einem Fest der Gemeinschaft, der Berufung und des Aufbruchs. Beim anschliessenden Apéro tauschten sich die Gäste aus.

Zwei unterschiedliche Wege
Florian Aeberhardt sammelte in den Jahren 2024/25 als Vikar in der Evangelischen Kirchgemeinde Frauenfeld praktische Erfahrungen in verschiedenen Bereichen der Gemeindearbeit. Seit September 2026 ist der 26-Jährige als Assistent und Doktorand am Lehrstuhl für Neues Testament an der Universität Zürich tätig.
Christina Schefer, wuchs in Zihlschlacht auf. Sie ist 57 Jahre alt und hat zwei erwachsene Töchter. Nach Studium und Promotion in Altgriechisch, Latein und Philosophie war sie zunächst lange in der Forschung tätig. Später entschied sie sich für den Quereinstieg ins Pfarramt und studierte Theologie an der Universität Zürich. Zusätzlich absolvierte sie eine landwirtschaftliche Ausbildung. Ihr einjähriges Vikariat absolvierte sie in der Kirchgemeinde Affeltrangen-Braunau-Märwil, wo sie die erste Vikarin war. Nun freut sie sich auf die praktische Erfahrung an einer Stelle im Kanton St. Gallen.