An der Präsidienkonferenz wurden die Teilnehmenden aufgefordert, auf ihr Gemeindegebiet auf der Thurgauer Landkarte zu stehen. Bild: Hanna Röthlisberger
An der Präsidienkonferenz wurden die Teilnehmenden aufgefordert, auf ihr Gemeindegebiet auf der Thurgauer Landkarte zu stehen. Bild: Hanna Röthlisberger
Die Teilnehmenden wurden am Freitag nach einer herzlichen Begrüssung von Kirchenratspräsidentin Christina Aus der Au und von Daniel Frischknecht, dem Mitarbeiter der Fachstelle Gemeindeentwicklung, gleich wieder in den weiten Thurgau hinausgeschickt. Da lag nämlich eine riesige Thurgauer Karte auf dem Boden, damit sich die Präsidentinnen und Präsidenten auf das Gebiet ihrer Kirchgemeinden stellen und nach links und rechts schauen konnten. Wie würden wir heute die Grenzen ziehen? Wo könnten wir mit den direkten Nachbarn, ganz ohne grosse Strukturänderungen, zusammenarbeiten - und wo tun wir es schon? Mit Post-its wurden Wünsche und Zukunftspläne markiert, und das machte die Karte schon richtig lebendig und bunt.
Aus dem katholischen Nähkästchen
Franz Kreissl, ehemaliger Pastoralamtsleiter im Bistum St. Gallen, erzählte aus dem katholischen Nähkästchen. Deren Entwicklung von der Pfarrei zur grösseren Seelsorgeeinheit und vom Einzelpfarrer zum Pastoral-Team hat auch dort Ängste ausgelöst. Und auch dort muss das Verhältnis von Vielfalt und Einheit, von Gärtchendenken und zukunftsfähiger Teamarbeit immer neu errungen werden. Aber Kreissl vermittelte authentisch, ehrlich und auch etwas augenzwinkernd sein Fazit nach 35 Jahren Erfahrung: Es gibt keine Kirche ohne Zusammenarbeit, und das kann – wenn man es will und klug organisiert – fruchtbar, kreativ und fröhlich werden.
Was funktioniert gut, was nicht?
An runden und eckigen Tischen wurde dann diskutiert: Was heisst Zusammenarbeit? Was ist und was will unsere Kirchgemeinde? Was können wir besonders gut und was können andere besser? Was könnten wir loslassen und warum funktioniert das nicht? Ist der Gottesdienst der einzige Ort, wo Kirche geschieht, oder was gibt es sonst noch? Wie könnten unsere Hauptamtlichen übergemeindlich arbeiten und wie sähen interprofessionelle Teams aus? Im Ochsenstall ging es abends bei Kaffee und Bier weiter, und man munkelt, dass neben fröhlichem Austausch auch da und dort schon konkrete Pläne geschmiedet wurden.
Gemeinschaftlicher Geist spürbar
Am Samstagmorgen wurde es konkret. Was heisst das für unsere eigene Kirchenvorsteherschaft? Was erwarten wir von der Kantonalkirche? Und wo müsste das Gesetz geändert werden? Zu den Post-its vom Anfang kamen neue hinzu, und jede und jeder hielt einen ganz persönlichen nächsten Schritt darauf fest. Franz Kreissl kommentierte als Beobachter und zeigte sich beeindruckt vom gemeinschaftlichen Geist. Dass es damit auch weitergehen kann, zeigten zum Schluss die Einblicke in die schon bestehenden Intervisionsgruppen, was auch gleich vor Ort ausprobiert werden konnte.
So zogen die Präsidentinnen und Präsidenten am Nachmittag erfüllt und ermutigt wieder nach Hause, in der Agenda die Daten der nächsten Konferenz: 19./20. Februar 2027.