Hinhören, beobachten und Vorurteile abbauen

Im Dezember 2025 besuchte Daniel Gloor, Dozent am «Sabah Theological Seminary» in Sabah in Malaysia, den evangelischen Kirchenrat in Frauenfeld. Eine ideale Gelegenheit, mehr über ihn wie auch den Schulbetrieb des STS in Sabah zu erfahren.

Daniel Gloor bei seinem Besuch im Dezember 2025 beim Thurgauer Kirchenrat. Bild: Claudia Koch

Eines ist gewiss: Langweilig wird es Daniel Gloor in den kommenden Jahren nicht. Denn für den 63-Jährigen gibt es immer noch viel zu lehren, zu lernen, zu entdecken. Der sprachgewandte Theologe wurde in Aarau geboren und wuchs mehrheitlich in Kloten auf. «Der Einstieg in die Primarschule war sprachlich sehr schwierig», sagt Gloor, dessen Mutter aus dem französisch sprechenden Jura stammt. Mit dem Theologiestudium kamen noch Griechisch, Latein und Hebräisch dazu. Vor dem Studium absolvierte er die Primarlehrerausbildung. Seinen Master und Doktortitel holte er sich in Princeton (1994), Montpellier und New York (1998). Nach dem Theologiestudium stellte sich die Frage: Sollte er eine kirchliche oder akademische Laufbahn einschlagen? Ein einjähriges Vikariat in Payerne und ein Aufenthalt in Kamerun wiesen ihm den Weg: «Ich wollte nicht predigen. Ich wollte im Ausland lehren und lernen.» 

Ohne Erwartungen nach Malaysia
Da kam der Stellenausschrieb der Basler Mission, heute Mission21, für eine Lehrtätigkeit in Sabah Malaysia gerade richtig. Ohne Sprachkenntnisse und nach genauer Prüfung – die Basler Mission wollte nach seinen vielen Reisen wissen, ob er es an einem Ort länger aushalte – reiste er nach Sabah. Im Gepäck hatte er einen sechswöchigen Präparationskurs im Missionshaus in Basel. «Ich hatte keine Ahnung, was mich erwartete. Doch Abraham wusste auch nicht, wohin er geschickt wurde», sagt Gloor. Um Malaysisch zu lernen, ging er 12 Wochen nach Kuala Lumpur. Zurück am STS wählte er als Unterrichtsfach Griechisch, das er gut beherrschte. Seine Schülerschaft durfte nur Fragen stellen, die er verstand. Damit ziehen ihn die Leute heute noch auf, sagt Gloor, dass man mit mir «schön» reden musste.

Süd-Süd-Kontakt pflegen
Aber es blieb nicht nur beim Lehren in Sabah. Er unterrichtete auch in Costa Rica, in Spanisch. Diesen Süd-Süd-Kontakt pflegt Gloor heute noch: Alle zwei, drei Jahre geht er nach Costa Rica oder Peru. Doch sein Dreh- und Angelpunkt liegt in Sabah. Dort unterrichtet er junge Menschen im Vollzeitstudium, die Pfarrer oder Pfarrerin werden wollen. Aber auch Menschen im Abendunterricht, die sich als kirchliche Mitarbeitende Wissen aneignen und sich qualifizieren wollen. Die Schule mit dem Wohnheim bietet rund 50 Personen Platz. Jedes Jahr kommen zwischen 10 und 15 Studierende in der malaysisch sprechenden Abteilung dazu. Finanziert werden die Schulkosten durch Stipendien, durch die Mission 21 sowie andere Institutionen. Die Gelder zusammenzubringen werde immer mehr zu einer Herausforderung, sagt Gloor.

Arabisch lernen für Studierende
Die jungen Studierenden haben im islamisch geprägten Malaysia viele Fragen zu biblischen Figuren, die auch im Islam erwähnt werden wie Abraham, Moses oder Jesus. Um diese beantworten zu können, lernt er seit einiger Zeit arabisch. Entweder per Zoom oder direkt in Kairo im Privatunterricht. Eine positive Erinnerung während seiner Zeit in Sabah ist sein Patensohn Manuel. Gloor sagt dazu: «Dieser hat sich von einem Luftibus als Jugendlicher zu einem beliebten Pfarrer entwickelt». Und was Gloor aus seinen Erfahrungen in anderen Kulturen mitnimmt: Zuerst zwei Jahre hinhören, beobachten, Vorurteile ablegen und offen sein. 

Die Partnerkirchen in Sabah
Die Kirche der indigenen Rungus im Norden von Sabah (Malaysia) entstand aufgrund der Tätigkeit von Heinrich und Margrit Honegger aus dem Thurgau. Pfr. Heinrich Honegger reiste 1952 auf Einladung der Rungus im Auftrag der Basler Mission in das südostasiatische Land – später stiess auch seine Frau dazu. Die Protestant Church of Sabah (PCS) erinnert sich noch heute dankbar an ihre Tätigkeit. Seither ist die Thurgauer Kirche mit der PCS und weiteren Kirchen auf Sabah verbunden. In den letzten Jahren haben verschiedene Besuche in beide Richtungen diese Beziehung lebendig gehalten.