Kopftuch als Kontroverse

Gleich zwei Veranstaltungen beschäftigten sich letzten Donnerstag mit dem Verhältnis zum Islam. An der Pädagogischen Hochschule in Kreuzlingen referierte Dr. Noemi Trucco zu antimuslimischem Rassismus in der Schweiz. Im Franziskuszentrum in Weinfelden sollte das Podium eigentlich über die Frage, ob Religion Privatsache sei, diskutieren, blieb aber dann beim Kopftuch hängen.

Diskutierten zur Frage, ob Religion Privatsache ist: Ayten Ylmaz; Gregor Brazerol, Moderator Roland Stoller, Pfarrer Hendrik de Haas, Christian Stricker und Herman Lei. Bild: Christina Aus der Au

Wir alle sind rassistisch, so Trucco, die an der Universität Luxemburg forscht. Rassismus ist in der Gesellschaft strukturell verankert, wenn nämlich Fremdheit hergestellt wird, die dann den Zugang zu Ressourcen erschwert. Trucco zitierte Studien, wie Schüler und Schülerinnen mit vermeintlich «muslimischen» Namen in Studien weniger Förderung und schlechtere Noten erhielten. Die gute Nachricht ist, dass wir Rassismus «verlernen» können, und so konnte während der Gespräche beim Apéro eine Auswahl rassismuskritischer Lehr- und Bilderbücher durchgeblättert werden. Die Podiumsrunde im Franziskushaus hätte eine Illustration von Truccos Ausführungen sein können. 

Eine fast-Männerrunde diskutierte hauptsächlich über das politisierte Stück Stoff auf dem Kopf von Frauen. Pater Gregor, Prior im Kloster Fischingen, argumentierte im Benediktinerhabit gelassen für Authentizität und Klarheit bei Lehrpersonen, während Christian Stricker, Co-Präsident der EVP Thurgau, dafür appellierte, dass «dem Frieden zuliebe» auf religiöse Kleidung verzichtet werden soll. SVP Fraktionspräsident Hermann Lei beharrte darauf, dass das Kopftuch Symbol der Unterdrückung sei, und Pfarrer Hendrik de Haas erzählt aus der DDR, dass zwei Generationen antireligiöse Propaganda Religion nicht auslöschen konnten. Ayten Ylmaz, Architektin und zeitweilige Kopftuchträgerin, verwies schliesslich darauf, dass wir hier in dreissig Jahren keinen Millimeter weitergekommen sind. Die Voten aus dem Publikum schliesslich zeigten, wie sehr das Thema bewegt. Oder wie ein Zuhörer meinte: Die religiösen Symbole stehen lassen, damit man sich darüber unterhalten kann.