Synode vom 24. Juni 2019

Die Synode tagt am Montag, 24. Juni 2019, in Frauenfeld

Vor Weichenstellung im Arbeitsfeld Diakonie

Im Arbeitsfeld Diakonie will der Kirchenrat die Idee von «kirchlichen Erprobungsräumen» weiterverfolgen. Vorerst soll aber die kirchliche Fachstelle bei Arbeitslosigkeit wiederbesetzt werden. Nicht so bei der Stellenvermittlung Westschweiz und Tessin. Sie soll aufgegeben werden.


Neben Jahresbericht und der Rechnung 2018 ist die Synode am 24. Juni 2019 mit einer Anpassung des Rentenalters der Pensionskasse, mit einer Vereinbarung zur Buchhaltungssoftware ökFibu für die Kirchgemeinden, mit dem Konzept für die landeskirchlichen Stellen im Arbeitsfeld Diakonie und mit einen Vorstoss, beschäftigt, der danach fragt, wie absolut der in der Kirchenordnung festgelegte Grundsatz, dass in jeder selbstständigen Kirchgemeinde an jedem Sonntag ein Gottesdienst stattfinden müsse, vom Kirchenrat gehandhabt werde.

Vorsorgerechtliches Renteneintrittsalter steigt bis 2025 um sieben Monate
Die Pensionskasse der evangelischen Ostschweizer Landeskirchen hat aufgrund der steigenden Lebenserwartung und der begrenzten Ertragsmöglichkeiten bei der Geldanlage beschlossen, das vorsorgerechtliche Renteneintrittsalter bei einem gleichbleibenden Umwandlungssatz von 5.5% zu flexibilisieren. Aufgrund der getroffenen Änderung des Vorsorgereglements steigt das vorsorgerechtliche Renteneintrittsalter in den Jahren 2020 bis 2025 kontinuierlich um 7 Monate an. Will ein Versicherter oder eine Versicherte, die im Jahr 2025 pensioniert wird, den vollen Rentenumwandlungssatz von 5.5%, so muss sie nach dem Erreichen des 65. Altersjahres noch sieben weitere Monate arbeiten. Da mit der von der Pensionskasse beschlossenen Änderung das vorsorgerechtliche Renteneintrittsalter nicht mehr mit den AHV-Alter (Männer: 65 Jahre, Frauen: 64 Jahre) übereinstimmt, müssen verschiedenen rechtliche Erlasse der Landeskirche – wie etwa die Rechtsstellungsverordnung – auf den 1. Januar 2020 anpasst werden. Die Synode entscheidet nicht über die Flexibilisierung des vorsorgerechtlichen Renteneintrittsalters, sondern lediglich über die nötigen Anpassungen in der kirchlichen Gesetzgebung, die sich aus dem Flexibilisierungsentscheid der Pensionskasse zwingend ergeben.

Förderung von «kirchlichen Erprobungsräumen»
Eine Weichenstellung trifft die Synode am 24. Juni zu den landeskirchlichen Stellen im Arbeitsfeld Diakonie. In seiner Botschaft schlägt der Kirchenrat vor, die bisherige kirchliche Fachstelle bei Arbeitslosigkeit im - leicht reduzierten - Umfang von 50 Stellenprozent weiterzuführen und personell wieder zu besetzen. Die Stelle ist mit einer Bewerbungsfrist bis 7. Juni 2019 bereits ausgeschrieben. Dagegen soll die bisherige landeskirchliche Stellenvermittlung Westschweiz und Tessin im Stellenumfang von 25 Prozent mit der Pensionierung der derzeitigen Stelleninhaberin Ende Mai 2020 aufgegeben werden. Zusätzlich trägt sich der Kirchenrat mit der Idee, bis zu 50 Stellenprozent zur Förderung von «kirchlichen Erprobungsräumen» oder «fresh expressions of church» einzusetzen. Er wird der Synode dazu bis spätestens Ende 2020 einen Bericht mit Antrag zum Entscheid vorlegen. Der Kirchenrat sieht die Idee als konkrete Umsetzung von Gedanken, die auch an den verschiedenen Tagungen zur Kirchenentwicklung geäussert wurden: «Was im englischen Sprachraum unter «fresh expressions of church» und im deutschen Sprachraum unter «Erprobungsräume» da und dort schon recht erfolgreich versucht wird, könnte auch in der Thurgauer Kirche einen Versuch wert sein. Es geht darum, Kirche und Gemeinde in neuen Strukturen zu denken und zu leben.» Der Kirchenrat vertritt die Meinung, dass wenn heute neue kantonalkirchliche (Teilzeit-)Stellen geschaffen würden, diese das Potenzial haben müssten, damit Neuland zu erschliessen: «Es muss um zukunftsfähige Formen von Kirche gehen, die nicht auf das bestehende Territorialprinzip fixiert und auch nicht einseitig von den traditionellen Finanzströmen der Kirche abhängig sind.»

Interpellation zum Gottesdienstangebot in den Kirchgemeinden
Mit einer Interpellation wollte der Synodale Rolf Ziegler, Schönholzerswilen, wissen, ob sich der Kirchenrat, eine kontrollierte Lockerung des Grundsatzes «jeden Sonntag in jeder Kirchgemeinde ein eigener Sonntagsgottesdienst» für kleine Kirchgemeinden vorstellen kann. In seiner Antwort hält der Kirchenrat fest, dass die rechtliche Regelung in der vor fünf Jahren (2014) erlassenen Kirchenordnung keinen Spielraum für eine Lockerung lasse. Damals sei man zum Schluss gelangt, dass man am Grundsatz festhalten wolle. Im Kommentar zur Vorlage für die neue Kirchenordnung habe man sich auch zur Frage geäussert, was geschehen solle, wenn der Grundsatz in Frage gestellt sei: «Wo Klein- oder Kleinstgemeinden unter dem Eindruck stehen, Gottesdienste an jedem Sonntag durchzuführen, sei auf Dauer unverhältnismässig, müsste über einen Gemeindezusammenschluss nachgedacht werden.» In seiner Antwort auf die Interpellation zeigt der Kirchenrat eine Lösungsmöglichkeit für die konkret angesprochene Gemeindesituation auf: «Ein Zusammengehen zweier kleinerer Nachbargemeinden, und wenn es (vorerst) nur durch das Schaffen eines gemeinsamen Pfarramtes geschieht, würde neue Möglichkeiten eröffnen. So könnte z.B. an die Stelle von zwei Teilzeitpfarrämtern in Zukunft eine Vollzeitstelle im Pfarramt und eine Diakonats- oder Jugendarbeitsstelle treten. Das würde vielfältigere Arbeit ermöglichen.»

Rechnung schliesst mit Plus von 200'000 Franken
Die Rechnung 2018 der Evangelischen Landeskirche schliesst mit einem Plus von Fr. 198'908.58 ab. Der Kirchenrat beantragt der Synode, den Ertragsüberschuss dem Eigenkapital zuzuweisen. Im Jahresbericht 2018 informiert der Kirchenrat über die Tätigkeit der Landeskirche und der Kirchgemeinden. In Grundsatzbeiträgen geben die Mitglieder des Kirchenrates Einblick in ihre Tätigkeit und wagen einen Blick in die Zukunft. So stellt der Kirchenrat dar, wie er dem im Reformationsjahr 2017 angestossenen Zukunftsprozess nun konkrete Umsetzungsschritte folgen lassen will. In den Arbeitsbereichen von Kirche, Kind und Jugend wird ein Impulsprogramm vorgestellt, mit dem innovative Ideen und Projekte in den Kirchgemeinden angestossen und unterstützt werden sollen. Zum Abschluss gebracht wurden im Jahr 2018 die Erneuerung der Webseite der Landeskirche und das Projekt ökFibu, mit dem den Kirchgemeinden eine neue Software für die Finanz- und Lohnbuchhaltung zur Verfügung steht. Auf der Grundlage einer Vereinbarung mit dem Katholischen Kirchenrat soll das Angebot ökFibu in eine definitive Trägerschaft übergeben werden, in der die Kirchgemeinden beider Landeskirchen massgeblich vertreten sind. Über die Vereinbarung entscheidet die Synode.

Ersatzwahl und Durchführung einer Gesprächssynode
Auch ein Wahlgeschäft steht auf der Geschäftsordnung der Synode vom 24. Juni. Nach dem Rücktritt von Monika Thomann-Hablützel, Märwil, ist ein neues Mitglied der Rekurs- und Beschwerdekommission der Landeskirche zu wählen. Als Kandidatin steht Susanne Dschulnigg, ehemaliges Mitglied der Synode und ehemalige Präsidentin der Kirchenvorsteherschaft Kreuzlingen, für die Wahl zur Verfügung.
Nach den guten Erfahrungen mit der ersten Thurgauer Gesprächssynode, die am 21. August 2017 im Rahmen der Zukunftsdiskussion der Thurgauer Landeskirche stattgefunden hatte, beantragt das Büro der Synode, dass im August 2020 eine weitere Gesprächssynode stattfinden soll. Mit der Einsetzung einer Arbeitsgruppe trifft die Synode am 24. Juni einen Vorentscheid zu einer weiteren Gesprächssynode. Definitiv beschlossen würde die Gesprächssynode dann am 25. November 2019 mit einem separaten Antrag zum Budget 2020 der Landeskirche.

Gottesdienst mit Pfarrer Stefan Wohnlich
Die Verhandlungen der Synode sind wie immer öffentlich. Die Sitzung beginnt um 8.30 Uhr mit einem Gottesdienst in der Frauenfelder Stadtkirche. Er wird von Pfarrer Stefan Wohnlich, Wängi, geleitet. Die Verhandlungen im Rathaus Frauenfeld beginnen um 9.45 Uhr, werden für die Mittagspause von 12.00 bis 13.45 Uhr unterbrochen, und dauern bis längstens 17.00 Uhr.

Ernst Ritzi, Aktuar des Kirchenrates

Synodeunterlagen

Vorsynoden zur Synode vom 24. Juni 2019

Zur Vorberatung der Geschäfte der Synode vom Montag, 24. Juni 2019, finden regionale Vorsynoden statt. Sie dienen der Information und der Meinungsbildung:
Aadorf: Montag, 17. Juni 2019, 18.30 Uhr, evang. Kirchgemeindezentrum in Aadorf (Organisation: Roland Gahlinger, Aadorf)
Amriswil (Oberthurgau): Montag, 17. Juni 2019, 19.30 Uhr, Altes Pfarrhaus, Bahnhofstrasse 3, Amriswil (Organisation: Fritz Wälchli, Amriswil)
Frauenfeld: Dienstag, 18. Juni 2019, 19.30 Uhr, in der Krypta der evang. Stadtkirche, Freie Strasse 12, Frauenfeld (Organisation: Pfarrer Markus Aeschlimann, Frauenfeld)
Kreuzlingen: Mittwoch, 19. Juni 2019, 19 Uhr, evang. Kirchgemeindehaus, Bärenstrasse 25, Kreuzlingen (Organisation: Diakon Hanspeter Rissi)
Steckborn: Dienstag, 18. Juni 2019, 19 Uhr, Saal des evang. Kirchgemeindehauses Steckborn, Obertorplatz 2 (Organisation: Pfarrer Dr. Andres Gäumann, Steckborn)
Weinfelden: Montag, 17. Juni 2019, 19.30 Uhr, evang. Kirchenzentrum, alte Niederbürerstrassse, Bischofzell (Organisation: Markus Hemmerle, Bischofszell)