Synode vom 1. Dezember 2020

Die Synode tagt am Dienstag, 1. Dezember 2020, 8.40 bis 17.00 Uhr, in der Festhalle Rüegerholz in Frauenfeld

Neues wagen, auch wenn das Geld knapper wird

Obwohl die Kirchensteuergelder in den nächsten Jahren wohl knapper werden, will die Landeskirche neue Wege beschreiten: Der Kirchenrat schlägt der Synode vom 1. Dezember 2020 vor, unter der Bezeichnung «Start-up Kirche» eine Stelle für kirchliche Erprobungsräume zu schaffen.

ERNST RITZI*

Mit der Schaffung der 50-Prozent-Stelle «Start-up Kirche» will die Thurgauer Landeskirche Neuland betreten. Die Stelle soll in Zusammenarbeit mit einzelnen oder mehreren Kirchgemeinden in Projekten neue kirchliche Angebote entwickeln, anstossen und begleiten. Der Kirchenrat verspricht sich von der Stelle Impulse und Ideen für neue Angebote im kirchlichen Leben und in der gelebten Diakonie. Die Stelle soll vorerst auf fünf Jahre befristet werden. Nach Ablauf von drei Jahren ab der ersten Stellenbesetzung soll die Arbeit evaluiert werden. In der Befristung der Stelle sieht der Kirchenrat kein Hindernis für eine gute Besetzung. «Da es sich um eine Stelle handelt, für die in jedem Fall risikofreudige und innovative Persönlichkeiten in Frage kommen, sollte die Tatsache, dass die Stelle befristet ist, bei der Stellenbesetzung keine zusätzliche Hürde sein», erklärt der Kirchenrat in seiner Botschaft an die Synode. Als Beispiel, in welche Richtung die kirchlichen Erprobungsräume gehen könnte, verweist der Kirchenrat auf das Projekt «Open Place» der Evangelischen Kirchgemeinde Kreuzlingen.

Kirchenrat legt Legislaturziele vor
An der Synode vom 29. Juni 2020 hatte der Kirchenrat zugesagt, dass er der Synode erstmals formulierte Legislaturziele vorlegen werde. Der Kirchenrat hält Wort und legt der Synode vom 1. Dezember 2020 ein fünfseitiges Papier zur Kenntnisnahme vor, in dem er die Arbeitsschwerpunkte für die Jahre 2020 bis 2024 aufzeigt. Der Kirchenrat setzt die Entwicklungslinien der letzten Jahre fort und setzt neue Akzente, für die auch Entscheide der Synode nötig sein werden. Dass sich die Landeskirche bereits mitten in der Umsetzung der nun zu Papier gebrachten Ziele befindet, wird mit der reich befrachteten Traktandenliste der Synode vom 1. Dezember 2020 deutlich. Sie enthält beides: Die Fortführung bestehender Aufgaben und Neues.

«Unwägbarkeiten» bei den Steuereinnahmen
Alle zwei Jahre zeigt der Kirchenrat mit dem Finanzplan auf, wie er die voraussichtlich zur Verfügung stehenden finanziellen Ressourcen nutzen will. Der Steuerfuss der Landeskirche liegt seit 2001 unverändert bei 2,5%. Bei der Abschätzung der Finanzperspektiven für Landeskirche und Kirchgemeinden mahnt der Kirchenrat in seiner Botschaft zu den Legislaturzielen zur Vorsicht: «Nachdem während vielen Jahren die Einnahmen recht genau berechenbar waren und tendenziell nach oben zeigten, sind aktuell grössere Unwägbarkeiten im Spiel: Auswirkungen der Corona-Krise, Steuergesetzrevision, Rückgang der Mitgliederzahlen.»

Budget 2021 rechnet mit «roter Null»
Das Budget 2021 der Landeskirche, das der Kirchenrat der Synode vom 1. Dezember 2020 zum Entscheid vorlegt, geht bei Einnahmen und Ausgaben im Volumen von 6.4 Millionen Franken von einem Aufwandüberschuss von Fr. 64'325.- aus. Das darf noch knapp als «rote Null» bewertet werden. Längerfristig rechnet der Kirchenrat mit einer Verknappung der finanziellen Mittel. Im Budget 2021 enthalten sind Mehrauslagen von Fr. 30'000.-, die der Kirchenrat in einer separaten Botschaft für eine Pensenerhöhung für das Kirchenratspräsidium und für das Aktuariat des Kirchenrates vorsieht. Mit Blick auf den in den nächsten Jahren ruhestandsbedingt anstehenden personellen Wechsel im Präsidium und im Aktuariat des Kirchenrates sollen die beiden Pensen ab 2021 um 15 beziehungsweise 10 Stellenprozent erhöht werden. Es handelt sich dabei um eine nachvollzogene Anpassung an das tatsächlich geleistete Arbeitspensum.
Der Kirchenrat hält es für vertretbar, dass die Landeskirche in den kommenden Jahren auch moderate Rechnungsrückschläge in Kauf nehmen könnte. In seiner Botschaft an die Synode verweist er darauf, dass in den vergangenen acht Jahren immer Vorschläge von zwischen Fr. 120'000.- und Fr. 500'000.- verbucht werden konnten und das Eigenkapital von 2012 bis 2020 um 1.6 Mio. Franken anstiegen sei.

Fachstelle Musik in der Kirche soll definitiv werden
Mit dem Argument, dass zuerst eine Gesamtschau der künftigen Aufgaben und der finanziellen Möglichkeiten der Landeskirche vorliegen müsste, hatte die Synode am 29. Juni 2020 den Entscheid über die definitive Fortführung der landeskirchlichen Fachstelle Musik in der Kirche im bisherigen Stellenumfang von 40 Prozent aufgeschoben. Der Kirchenrat beantragt der Synode, die Fachstelle Musik in der Kirche mit den beiden Bereichen klassische Kirchenmusik und kirchliche Popularmusik weiterzuführen. Die beiden Beauftragten Dr. Jochen Kaiser (klassische Kirchenmusik) und Oliver Wendel (kirchliche Popularmusik) sollen ihre Arbeit, mit der sie die Kirchgemeinden bei der Gestaltung und Entwicklung von Kirchenmusik und Gesang unterstützen, fortsetzen können.

Neues Logo «Kreuz im Licht» für Kirchgemeinden freiwillig
Auch grafisch soll die Landeskirche neu auftreten. Nach einer Vernehmlassung bei den Kirchgemeinden will der Kirchenrat ab 2021 schrittweise das Logo «Kreuz im Licht» der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz EKS für die Thurgauer Landeskirche übernehmen. Mit einem Beschluss soll die Synode den Kirchenrat beauftragen, Grundlagen zu erarbeiten, die es den Kirchgemeinden ermöglichen, den einheitlichen grafischen Auftritt von EKS und Thurgauer Landeskirche auch für sich zu übernehmen. Der Kirchenrat begnügt sich mit einer Empfehlung und Unterstützung der Kirchgemeinden. In der Vernehmlassung zur Einführung des Logos «Kreuz im Licht» hatte sich gezeigt, dass die Kirchgemeinden zwar einen einheitlichen Auftritt von EKS und Landeskirche begrüssen, aber eine verpflichtende Übernahme des EKS-Logos für alle mehrheitlich ablehnen.

Anlaufstelle für sexuelle Grenzverletzungen
Aktiv will der Kirchenrat das Thema sexuelle Grenzverletzungen angehen. Zur Diskussion und zur Kenntnisnahme legt der Kirchenrat der Synode ein Konzept unter dem Titel «Achtsam Kirche sein mit Leib und Seele» vor. Damit die darin vorgeschlagenen Präventionsmassnahmen umgesetzt werden können, sind rechtliche Grundlagen für die Schaffung einer Anlaufstelle für sexuelle Grenzverletzungen und im Personalrecht nötig. Die Anlaufstelle soll durch eine Frau und einen Mann besetzt werden und dem Kirchenrat beigeordnet sein. Zum verstärkten Bewusstsein und einer höheren Sensibilisierung für Fragen zu sexuellen Grenzverletzungen sollen die Beibringung eines Sonderprivatauszugs bei Bewerbungen, eine persönlich abzugebende Selbstverpflichtung und gezielte obligatorische Weiterbildungsangebote beitragen.

Motion mit Blick auf Ersatzwahl für das Kirchenratspräsidium
Mit Blick auf die voraussichtlich in der Juni-Synode 2021 zu treffende Ersatzwahl für den in den Ruhestand tretenden Kirchenratspräsidenten Pfarrer Wilfried Bührer hat der Synodale Pfarrer Dr. Andreas Gäumann, Steckborn, eine Motion eingereicht, mit der der Synode bei der Wahl des neuen Kirchenratspräsidiums alle Optionen geöffnet werden sollen. Sollte durch die getroffene Wahl des Kirchenratspräsidiums die in der Kirchenverfassung definierte Vertretung von ordinierten und nicht ordinierten Kirchenratsmitgliedern nicht mehr gewährleistet sein, soll die Möglichkeit geöffnet werden, in einer Ergänzungswahl ein sechstes Mitglied des Kirchenrates dazu zu wählen. Aufgrund der Kirchenverfassung liegt es in der Entscheidkompetenz der Synode die Regeln für die Kirchenratswahlen festzulegen. An der Sitzung vom 1. Dezember 2020 entscheidet die Synode darüber, ob sie die Motion erheblich erklären will.

Interpellation zur Seelsorge in Pandemiesituationen
Die Sitzung der Synode musste coronabedingt um einen Tag auf Dienstag, 1. Dezember 2020 verschoben werden, weil die Festhalle Rüegerholz am Montag, 30. November 2020, nicht verfügbar war. Mit einer Interpellation des Synodalen Pfarrer Dr. Andreas Gäumann, Steckborn, steht der künftige Umgang mit Pandemiesituationen auch auf der Traktandenliste der Synode. In seinem Vorstoss weist Gäumann darauf hin, dass es der kirchlichen Seelsorge während dem Lockdown ab Mitte März 2020 während rund sechs Wochen gänzlich verwehrt gewesen sei, die Menschen in den Alters- und Pflegeheimen zu besuchen. In der Interpellation mit dem Titel «Seelsorge und Pandemie in Heimen, in Spitälern und im Strafvollzug» wird der Kirchenrat gefragt, welche Schlüsse und Lehren er aus dem Lockdown im Blick auf die Seelsorge gezogen habe und ob er zur Entwicklung einheitlicher Pandemie-Standards im Blick auf die Seelsorge das Gespräch mit dem Kanton suchen werde.

Andacht mit Einsetzung von neuen Mitarbeitenden
Coronabedingt findet die Sitzung der Synode am Dienstag, 1. Dezember 2020, in der Festhalle Rüegerholz in Frauenfeld ohne Publikum statt. Am Anfang steht um 8.40 Uhr eine Andacht, in der Dr. Mirjam Loos, als neue Leiterin der Fachstelle Religionsunterricht, und Pfarrer Marc Ditthardt und Meike Ditthardt, Lengwil, als neue Seelsorgende am Bundesasylzentrum in Kreuzlingen in ihre Aufgaben eingesetzt werden. Die Verhandlungen der Synode dauern – unterbrochen von einer coronagerechten Mittagsverpflegung – bis 17.00 Uhr.

*Ernst Ritzi ist Aktuar des Evangelischen Kirchenrates des Kantons Thurgau

Sitzungsunterlagen

Vorsynoden zur Synode vom 1. Dezember 2020

Zur Vorberatung der Geschäfte der Synode vom Dienstag, 1. Dezember 2020, finden regionale Vorsynoden statt. Sie dienen der Information und der Meinungsbildung:
Aadorf: Montag, 23. November 2020, 18.30 Uhr, evang. Kirchgemeindezentrum in Aadorf (Organisation: Roland Gahlinger, Aadorf)
Amriswil (Oberthurgau): Montag, 23. November 2020, 19.30 Uhr, evangelisches Kirchgemeindehaus, Romanshornerstrasse 4, Amriswil (Organisation: Fritz Wälchli, Amriswil)
Frauenfeld: Dienstag, 24. November 2020, 19.30 Uhr, Begegnungszentrum Viva (neben der Kirche St. Johann Kurzdorf, Rheinstrasse 42, Frauenfeld (Organisation: Pfarrer Markus Aeschlimann, Frauenfeld)
Kreuzlingen: Mittwoch, 25. November 2020, 19.00 Uhr, im evang. Kirchgemeindehaus, Bärenstrasse 25, Kreuzlingen (Organisation: Diakon Hanspeter Rissi, Kreuzlingen)
Sitterdorf (Kapitel Weinfelden): Montag, 23. November 2020, 19.30 Uhr, evang. Kirchgemeindehaus, Ebnetweg 10, Sitterdorf (Organisation: Christian Eggenberger, Sitterdorf-Zihlschlacht)